Oliver Rath: „Berlin soll so bleiben, wie es ist!“

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Oliver Rath in seiner Galerie Rosenthaler Strasse

Oliver Rath in seiner Galerie Rosenthaler Strasse

Anfang Oktober feierte der Fotograf Oliver Rath seinen bisher größten Erfolg mit einer großen Party in der Humboldtbox: die Veröffentlichung seines ersten Buches. Bis dahin war es ein steiler und steiniger Weg, den er mit viel Motivation selbst gegangen ist – pleite aber mit Feuereifer. Ein Besuch in der Galerie nach den aufregenden Tagen.

In der Galerie Rath in der Rosenthaler Straße 66 herrscht wenige Tage nach Party und Ausstellung in der Humboldtbox Chaos. Großformatige Bilder, fotografierte und gemalte, stehen in Schutzfolie verpackt herum und warten auf einen neuen Platz an den Wänden oder auf einen Käufer. Vor der Tür steht ein Einkaufswagen eines Baumarktes. Mit der U-Bahn karrt Oliver Rath seine Einkäufe, große Rahmen und Holzplatten, in die Galerie. „Ganz schön scheiße, wenn der Aufzug am Bahnsteig nicht funktioniert“, sagt er. Die Veröffentlichung seines Buches hat ihm viel Aufmerksamkeit eingebracht, reich ist er deshalb noch lange nicht. „Viele glauben das jetzt: Nur weil ich in den Zeitungen bin, hätte ich das große Geld.“ Doch abgesehen von ein paar Dutzend Gratisexemplaren vom Verlag verdient er daran nichts. Natürlich hat sich für ihn und seine Modelle die Auftragslage verbessert. Doch dem ging eine lange Durststrecke voraus. Mit Anfang Dreißig kam er nach Berlin und fing noch mal von vorne an. Die Fotografie hatte er sich selbst beigebracht, weil er sich dafür begeisterte, so wie vorher für das DJing. „Ich mag es, unter Leuten zu sein und sie glücklich zu machen. Das geht mit Musik. Aber mit einem schönen Foto kann man sie viel länger glücklich machen.“


Seine Modelle findet Rath in den Clubs wie auf der Straße. Und so sind in seinem Buch ebenso Persönlichkeiten aus der Mode, Musik und Film abgebildet wie Menschen von der Straße, um die andere einen Bogen machen würden.
„Ich mag Gegensätze. Wenn jemand komplett anders ist als ich, kannst du dir sicher sein, dass wir uns blendend verstehen.“ Den Modezar Karl Lagerfeld und den Musiker Scooter hat Oliver Rath ebenso fotografiert wie Komet, der ältere Herr mit langem weißen Bart, den viele Berliner von der Straße und der „One Warm Winter“-Kampagne kennen.
Auf die ist Rath durch die Agentur Dojo aufmerksam geworden. „Ausgerechnet mein erster Winter hier in Berlin war eine richtige Peitsche. Saukalt, alles vereist. Mich hat es selbst öfters aufs Maul gehauen und wir konnten unsere Altbau-WG kaum heizen. Wenn man dann auf der Straße lebt und überall rausgeschmissen wird, aus dem Bahnhof oder dem warmen Sparkassenvorraum, ist das ein Teufelskreislauf, aus dem man fast nicht mehr rauskommt.“ Deshalb unterstützte er die „One Warm Winter“-Kampagne, bei der Klamotten für Obdachlose gespendet wird. In Berlin erfolgreich durchs Leben zu kommen, ist für ihn stets mit Geben und Nehmen verbunden. „Win-win habe ich hier schätzen gelernt. Deshalb finde ich es auch gut, dass die Verkäufer des strassenfeger 90 Cent verdienen.“
Und Berlin? „Ich will, dass Berlin so bleibt, wie es ist. Und wenn ich hier ein Projekt unterstütze weiß ich, dass das Geld vor Ort bleibt. Für mich ist der Grat zwischen Boheme, Künstler und Pleite oder Erfolg und Kickass so schmal! Und ich weiß, dass der Erfolg von vielen Umständen abhängt und schnelllebig sein kann. Wer das Glück hat, gerade Erfolg zu haben, sollte diese Machtposition nutzen, um auch anderen zu helfen und um auf Missstände aufmerksam zu machen.“

Info: www.rath-photografie.de, www.oliver-rath.com, www.rath-gallery.com
Rath Gallery
Rosenthaler Str. 66
10119 Berlin
DI – SA
14 – 18 Uhr

© Text und Fotos Boris Nowack

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