Die Caritas-Ambulanz für Wohnungslose in Berlin wird renoviert

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Mit Hilfe der Aktion „96 Stunden“ des rbb und vielen Freiwilligen wird derzeit die Caritas-Ambulanz für Wohnungslose in der Jebensstraße umgebaut.
Umbau der Caritas-Ambulanz für Wohnungslose in Berlin
Direkt am Bahnhof Zoo, schräg gegenüber der Bahnhofsmission, liegt die Ambulanz für Wohnungslose der Caritas. Seit 1992 werden hier Obdachlose und Nichtkrankenversicherte medizinische versorgt. Es ist die älteste Einrichtung dieser Art in Berlin. Jetzt stehen Übertragungswagen des Fernsehens vor dem Eingang. Von drinnen ertönt Baulärm.

Seit über zehn Jahren wurden keine nennenswerten Umbauten mehr durchgeführt, doch die vorhandenen Räumlichkeiten sind der größer gewordenen Nachfrage nicht mehr gerecht. „Jedes Jahr kommen mehr Patienten“, sagt Bianca Rossa, Leiterin der Ambulanz. Durch die Nähe zum Bahnhof Zoo stranden viele Neuankömmlinge hier, Deutsche wie Ausländer. Seit zweieinhalb Jahren ist man ausschließlich auf Spenden angewiesen, von der Stadt gibt es kein Geld mehr. „Wir haben uns nicht an Auflagen gehalten. Zum Beispiel sollten wir nur deutsche Nichtversicherte behandeln. Aber wir schicken niemanden weg“, versichert Bianca Rossa.

Weil sie die Optimierung der vorhandenen 96 Quadratmeter finanziell nicht alleine stemmen konnte, wandte sich die Ambulanz an die Öffentlichkeit. Am Montag startete die Aktion „96 Stunden“ vom rbb. Die hilft regelmäßig Vereinen, kulturellen und sozialen Einrichtungen aus Berlin und Brandenburg bei notwendigen Arbeiten, indem ein Aufruf an freiwillige Helfer, Profis wie Amateure, ergeht. Am Montag schwang der für sein soziales Engagement bekannte Sänger Frank Zander in der Jebensstraße den Schlaghammer, wo jetzt ein neuer Durchbruch klafft. „Damit wir unsere Patienten besser sehen können“, sagt Bianca Rossa. „Dort kommt das Wartezimmer hin. Hinter dem Empfang sollen zwei Räume entstehen, damit wir mehr Behandlungsmöglichkeiten haben und steriler arbeiten können.“

Obwohl es auf der Baustelle hektisch zugeht und gleichzeitig Patienten betreut werden, ist sie bester Laune. Die Baufirmen, beauftragte wie freiwillige, sowie die Helfer aus der Bevölkerung kommen gut voran. Am neuen Durchbruch schaben Andreas und Brigitte gerade die alte Tapete ab. „Wir haben im Fernsehen in ZIBB von der Aktion gehört und sofort beschlossen, dass wir helfen wollen.“ Andreas ist das erste Mal dabei, für Brigitte ist es bereits der zehnte Einsatz für „96 Stunden“. Heiko montiert im noch unrenovierten Bad gerade den Spiegel ab. „Mein zweites Mal. Im Mai habe ich beim Jugendzentrum YAAM geholfen.“
Auch die Dusche wird modernisiert und der gestiegenen Nachfrage angepasst. Eigentlich war sie nie für Nichtpatienten gedacht. Doch seit der Hygiene-Container des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf nicht mehr am Bahnhof Zoo steht, kommen auch zunehmend Obdachlose nur zum Duschen in die Ambulanz. Manche warten vier Stunden darauf, sich waschen zu können. „So viel Körpergefühl muss gefördert werden“, sagt Bianca Rossa.
„Außerdem sehen wir das als Präventionsprojekt gegen Hauterkrankungen oder Parasitenbefall unter den Obdachlosen, weswegen wir die Dusche nach dem Umbau auch für Nichtpatienten offen halten wollen.“


Während es drinnen hämmert, bohrt und schabt, betreut das Ambulanz-Team auf dem Hof Patienten. In einem gespendeten Zelt ist eine Liege und medizinisches Gerät provisorisch untergebracht. Ein Mann mit eitrigem Zeh wartet auf den Arzt. Sogar der Empfang mit den Karteikarten wurde hierher verlegt. „Jeder muss sich registrieren“, erklärt Bianca Rossa, „auch Pseudonyme sind möglich. Wir haben eine Micky Maus hier, ein anderer nennt sich Nummer 3, ganz egal. Aber es ist wichtig, den Verlauf von Erkrankungen aufzuschreiben, das macht dem Arzt die Behandlung einfacher. Manche Patienten kommen seit vielen Jahren zu uns.“
Zweimal die Woche arbeitet ein Facharzt ehrenamtlich für die Ambulanz. Nach dem Umbau kann in zwei Räumen parallel gearbeitet werden. „Wir suchen übrigens noch Fachärzte“, erwähnt Bianca Rossa zum Schluss.
25 Patienten hat das Team heute in dem weißen Zeltlazarett im Hof der Caritas-Ambulanz behandelt. Ein ganz normaler Tag. Ab nächster Woche wieder unter festem Dach in den umgebauten Räumlichkeiten in der Jebensstraße.

Info: http://www.dicvberlin.caritas.de/84852.html

© Text und Fotos Boris Nowack

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