Latex für den Alltag auf dem German Fetish Ball

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Fotomodel beim German Fetish Ball

Fotomodel beim German Fetish Ball

Auf dem jährlichen German Fetish Ball in Berlin treffen sich Latexliebhaber aus ganz Europa.

Der German Fetish Ball ist Deutschlands größte Veranstaltung für Fetischfans. Einmal im Jahr treffen sie sich für Partys, Veranstaltungen und eine Messe, den Fetish Fair Berlin. Hier darf man neue Kreationen bestaunen, ausprobieren und kaufen. Für Hersteller ist es die beste Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen, denn nirgends ist die Fetischszene größer als in Deutschland.

Vor dem Magazin in der Heeresbäckerei lässt sich ein Gummimodell aus Großbritannien fotografieren. Die Figur der Dame wird durch den eng anliegenden, schwarz glänzenden Ganzkörperanzug unterstrichen, nur ihre Augen und die rot geschminkten Lippen sind sichtbar. In den Ausstellungsräumen ist es drückend warm. Die Fenster sind abgedunkelt und die Lüftung unzureichend. Doch vielleicht ist das genau die richtige Atmosphäre für Fetischliebhaber. Viele der über dreißig Aussteller tragen das, was sie anbieten, und auch viele Gäste kommen in Korsetts, Gummi- und Latexklamotten.
„Die größten Fetischmärkte gibt es in Deutschland“, sagt Richard von Latex 101. „Danach kommt Großbritannien vor den USA, Frankreich und den Niederlanden.“ Richard ist Engländer und betreibt seinen Laden in Schottland. Vor sieben Jahren fing er mit seinem Partner an, Kleidung aus Gummi herzustellen. „Wir wollten eines Tages wissen, ob es schwer ist, das selbst herzustellen. Ist es. Und es gab in den ersten sechs Monaten zahlreiche Momente, an denen wir hätten aufgeben können.“ Wie viele Hersteller im Fetischbereich hatte das Team von Latex 101 keine Erfahrung im Schneidern. Richard kommt aus der IT-Branche: „Man braucht ein Auge dafür und viel Geduld“, sagt er über das Latexschneidern. Latex 101 bietet seine Kreationen von der Stange in allen möglichen Größen an. „Von klein bis 3XL oder größer, damit sie normalen Menschen passen. Und wir entwerfen ausschließlich für Männer. Hosen, Hemden, alles aus Latex.“


Anders Rebecca Allsop von Yummy Gummy aus Bedfordshire. Sie entwirft Latexkleider mit Mustern für Frauen. Angefangen hat auch sie aus der eigenen Leidenschaft heraus. „Ich habe meine eigenen Kleider gemacht und ging damit auf Partys. Und plötzlich wollten die Leute meine Sachen kaufen.“ Ihren eigenen Laden führt sie seit einem Jahr, in der Fetischszene ist sie seit zwei Jahren. „Ich finde die Muster abwechslungsreicher als das einfarbige Schwarz oder Rot, das man sonst so kennt“, sagt sie. Weil Latex geklebt wird, sollte man die Gummikleider nach dem Tragen am besten von Hand waschen und danach trocknen lassen und mit Talkum einreiben.

Model und Designerin Rebecca von Yummy Gummy

Model und Designerin Rebecca von Yummy Gummy

Geklebt wird auch bei Fantastic Rubber, einem Latexmodelabel aus Berlin. Das Ehepaar Waltraut und Peter Pick führt das Geschäft seit 2005, er ist Designer, sie nimmt Maß. Denn alles wird dem Kunden auf den Leib geschneidert. Auch bei den Picks fing es mit dem eigenen Fetisch zu diesem Stoff an. „Es gab damals keine anständigen Korsetts aus Latex“, erklärt Peter. Auch er hat sich alles selbst beigebracht: „In dieser Branche sind fast alle Autodidakten. Eine Schneiderlehre ist auch nicht hilfreich, denn was bei Stoff geht, geht mit Latex noch lange nicht.“ Er reicht ein rotes Schnürkorsett aus Latex. Das Gummi ist etwa zwei Millimeter dick, Metallstreben sind darin eingearbeitet, auch die Schnürung ist so verstärkt. „Das kann nicht reißen“, versichert er. „Die Nachfrage ist groß. Latex wird langsam gesellschaftsfähig und unsere Zielgruppe wächst auch unter Leuten, die mit Latexfetisch nichts am Hut haben. So ein Latexkorsett kann man durchaus auch in die Oper oder ins Theater anziehen, oder einfach nur ins Restaurant.“


Das sehen auch Susanne und Cindy von Feitico so. Die beiden gelernten Modedesignerinnen entwerfen maßgeschneiderte Masken vor allem für Frauen. Eine Kundin probiert ein rotes Modell mit zwei riesigen, nach hinten gebogenen Hörnern aus. „Es macht uns Spaß, mal was anderes zu probieren“, sagt Cindy. „Sehr viele Kundinnen kommen auf uns zu, weil sie gerne etwas Schickes zu ihrem Outfit tragen möchten.“ Bei 130 Euro geht es los für die Standardmaske, 200 Euro kostet das teuerste Modell. „Beim Maßnehmen sind Kopfumfang und Nasenlänge wichtig“, erklärt Susanne „Wir bekommen viel positives Feedback von den Frauen. Sie finden sich schön und sexy in unseren Masken.“


Der Markt für Latexmode scheint noch einer der wenigen Bereiche zu sein, in dem das Handwerk dominiert. Die Innovationen und Kreationen werden von der Leidenschaft der Hersteller getrieben. Ob Latex für den Alltag tauglich ist, wird sich zeigen, wenn die Mode auch außerhalb von Clubs und Messen zu sehen ist.

German Fetish Ball in der Köpenicker Straße, Berlin

German Fetish Ball in der Köpenicker Straße, Berlin

© Text und Fotos Boris Nowack

Infos und Links:
german-fetish-ball.de
rubber-passion.com
latex101.com
yummygummylatex.com
fantasticrubber.de
feitico.de

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