Mehr Energie im Winter: In der kalten Jahreszeit stellen sich im Zoo die Gewohnheiten um

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Winter im ZooEs ist kalt an diesem frühen Nachmittag im Berliner Zoo. Blauer Himmel zwar, und die Sonne wirft hin und wieder warme Flecken durch die Häuserschluchten und Bäume auf Gehege und Wege, doch Tiere und Menschen mümmeln sich warm ein. Nur wenige Besucher haben sich in die rund 35 Hektar große Anlage gegenüber dem Bahnhof Zoo verirrt. Einige Eltern mit ihren Kindern, Senioren und vor allem Touristen.
Die meisten der rund 15.000 Tiere haben sich nach drinnen verzogen. Von den etwa 1.500 Arten ist die große Mehrheit exotisch und schätzt den Winter nicht besonders. Zwar schadet eine kurze Kälte nicht, aber gerade die tropischen Tiere können nicht ganzjährig draußen bleiben. „In den Tropen herrscht Tageszeitenklima“, erklärt Benjamin Ibler, „Die Nächte sind kalt und die Tage heiß. Wir hingegen haben Jahreszeitenklima, da ist es im Winter Tag und Nacht kalt.“ Flusspferde, Giraffen und Elefanten überwintern in großen Tierhäusern und auch die tropischen Kleinvögel brauchen es warm.

So ein Winter ist kein Beinbruch. Oder doch?

Dabei ist beispielsweise für Elefanten oder Giraffen noch nicht einmal die Kälte das größte Problem, sondern das Glatteis. „Wenn sich ein Elefant ein Bein bricht, ist das in der Regel sein Todesurteil“, warnt Ibler. Im Unterschied zu uns Menschen können sich Tiere nicht ein paar Wochen ausruhen. So ein großes Tier steht immer auf seinen vier Beinen. „Das kommt durchaus auch in der Savanne vor“, erzählt Ibler weiter. „Wenn eine Elefantenherde durch die Steppe rennt und einer in einem Erdloch hängen bleibt und sich das Bein bricht, verreckt das Tier jämmerlich.“
Benjamin Ibler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator im Berliner Zoo. „Das stammt aus dem Lateinischen von curare ab, Sorge tragen.“ Der Dreißigjährige hat in Bayreuth Biologie studiert und ist in Berlin für die Tierab- und zugänge zuständig, arbeitet mit den Pflegern zusammen und erstellt die Fütterungspläne.
Ein Weihnachtsfestmahl gibt es für die Tiere nicht, muss Ibler enttäuschen. Im Gegenteil, die Pflegerinnen und Pfleger dürfen an Heilig Abend früher nach Hause. Dennoch wird im Winter das Futter umgestellt. Da es weniger frische Grünwaren gibt, wird vor allem Heu und Silage an die großen Heufresser verfüttert. „Das ist entwässert und bietet im Vergleich zu Gras mehr Energie“, erläutert er. Die Raubtiere bekommen auch im Winter Fleisch, allerdings nicht vom Schwein, das hat zuviel Fett. „In der Regel verfüttern wir Rindfleisch, das als Rinderhälften geliefert wird. Um für Abwechslung zu sorgen, gibt es auch mal Pferd.“

Winter im Zoo
Braunbären und arktische Tiere könnten den Winter über auch draußen bleiben, manche von ihnen zieht es aber doch immer wieder nach drinnen. Ibler weiß von einem Eisbären aus dem Duisburger Zoo, der den extra für ihn eingerichteten geheizten Raum gerne nutzt. Fütterungen können die Zoobesucher somit auch im Winter drinnen und draußen beobachten. Die Robben etwa fühlen sich dank der Blubber genannten Speckschicht in ihrem Unterhautfettgewebe auch im kalten Wasser seehundswohl. Nicht so Tierpfleger Norbert Zahmel, der für die Vorführung zuerst in einen Ganzkörperneoprenanzug und dann ins Wasser steigt. Winter im ZooDie Robben werden einzeln gefüttert, sonst gäbe es ein Chaos. Schließlich müssen die putzigen Tierchen ihr Fressen auch noch vor den auf den Felsen wartenden Reihern verteidigen. Die schnappen sich gerne mal einen Fisch aus dem Wasser, der gar nicht für sie gedacht war. Doch die Robben sind nicht nur unglaublich flink im Wasser, sondern vollführen gerne auf Zuruf Zahmels Kunststücke, apportieren Frisbeescheiben oder balancieren Bälle auf der Schnauze, um dann mit einem Happen belohnt zu werden. Das Schauspiel ist ein Spaß für Zahmel, der sich die dompteurähnlichen Fähigkeiten selbst beigebracht hat, für Robben und Zuschauer.

Bonobos lieben FKK

Der Spaß kommt auch im Affenhaus nicht zu kurz. Genau wie kleine Kinder oder arbeitslose Kreative wissen sich die Affen trotz eingeschränkter Möglichkeiten immer zu beschäftigen. Insbesondere Bonobos scheinen sich nie zu langweilen. Sie lieben FKK: Fressen, Klettern, Kopulieren. Winter im ZooDa schwingt sich gerade einer von der Plattform nach untern, in der einen Hand das Seil, in der anderen eine Karotte, mit dem Fuß einen Salat im Griff. Für die Vegetarier ist auch im Winter der Tisch lecker anmutend weil bunt und frisch mit Obst und Gemüse gedeckt. Das schmeckt den Primaten prima.

Winter im Zoo  Winter im Zoo

© Text und Fotos Boris Nowack

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