Lest mehr Bücher, leiht mehr aus!

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Die Angebote der Bibliotheken in Berlin sind viel zu reichhaltig, um sie nicht zu nutzen

Symbold der Berliner Stadtbibliotheken

Die Berliner Öffentlichen Bibliotheken bieten das größte Netz an Bibliotheken in ganz Deutschland. Das Angebot setzt sich zusammen aus dem Verbund Öffentlicher Bibliotheken Berlins (VÖBB) – also den Einrichtungen der einzelnen Bezirke – sowie der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Insgesamt gibt es derzeit 87 Standorte, davon alleine 77 im Verbund. Zum Vergleich: Die Münchner Stadtbibliothek besteht aus 22 Stadtteilbibliotheken, Hamburg verfügt über 37 sogenannte Bücherhallen. Der Gesamtbestand liegt derzeit bei knapp über 4 Millionen Medieneinheiten. Nicht mitgerechnet sind hierbei die zahlreichen Universitätsbibliotheken und die Staatsbibliothek.

Warum all diese Zahlen? Weil es beeindruckend ist, welch enormes Wissen den Bürgern der Hauptstadt für geringes Entgelt zur Verfügung steht. Die Jahreskarte für die Bibliotheken kostet gerade einmal 10 Euro, für Schüler und Studenten die Hälfte, für Arbeitslose gar nichts.
Und trotzdem befindet sich das Bibliothekswesen in einer Krise. Im Jahr 2001 lag die Anzahl der Bibliotheken in Berlin noch bei 145, ist also in knapp zehn Jahren um fast die Hälfte zurückgegangen. Auch die Anzahl der Entleihungen hat einen Einbruch erfahren. Den stärksten von knapp 25 Millionen Mitte der neunziger Jahre auf einen Tiefpunkt von 15 Millionen im Jahr 2002. Das mag mit der Verbreitung des Internets zu tun haben. Viele Menschen haben sich ihr Wissen oder ihre Unterhaltung dank immer schnellerer Internetzugänge bequem von zu Hause aus besorgt. Seit 2003 nehmen die Ausleihen wieder zu und sind 2009 bei knapp 20 Millionen angekommen.

Das wiederum ist auch der Modernisierung des Angebots der Bibliotheken zu verdanken. Neben Büchern, Zeitschriften und Tageszeitungen sowie Brettspielen gibt es statt der Musikkassetten längst CDs, Videos wurden durch DVDs und neuerdings sogar durch Bluerays ersetzt oder sie sind parallel zum alten Angebot erhältlich. Selbst Computer- und Videospiele sowie Lernsoftware gibt es für Windows, Mac und Konsolen. Wer die Kosten einer Videothek scheut, kann sich im reichhaltigen Angebot der öffentlichen Bibliotheken austoben. Das Ausleihsystem wird derzeit auf RFID (radio-frequency identification) umgestellt, wodurch die Nutzer selbständig ausleihen, verlängern und zurückgeben können. Das Verlängern geht auch über den Onlinezugang von zu Hause aus. Von da aus kann man auch das Angebot VOeBB24 nutzen, über das man Bücher und Zeitschriften als PDFs und eBooks herunterladen kann. Auch Hörbücher als MP3 sind möglich, wenn auch nur für Windows-Nutzer, da zwingend ein Windows-Mediaplayer benötigt wird.

RFID-Ausleihsystem in Berlin

RFID-Ausleihsystem

Wer Bibliotheken schließt, verbrennt auch Bücher

Die häufige Ausleihe sichert auch Bestand und Erhalt des Bibliothekennetzes, womit wir wieder bei der Krise sind. Alle Jahre wieder, wenn Politiker Geld sparen müssen, geht es dem Kulturhaushalt als Erstes an den Kragen. Regelmäßig müssen dann Standorte der Stadtbibliotheken schließen. Unter vorgehaltener Hand heißt es, dass zuerst jene Standorte dran sind, die am wenigsten frequentiert sind und die wenigsten Ausleihen verzeichnen. Zwar ist es nicht ganz so einfach, denn der zu schließende Standort hängt auch mit dem Bezirk zusammen. Je schlechter der haushaltet, desto stärker geraten die Bibliotheken ins Visier. Dennoch ist ein gut besuchter Standort der beste Protest gegen eine Schließung. Hinterher ist es meist zu spät. So schloss der Bezirk Pankow 2007 die Kurt-Tucholsky-Bibliothek im Bötzowviertel. Seit 2008 wird sie durch eine Bürgerinitiative des Bürgervereins Pro Kiez Bötzowviertel weiterbetrieben. Soll heißen: Die Mitarbeiter und –innen arbeiten ehrenamtlich.

Hugo-Heimann-Bibliothek -- bonck.de

Alter Standort der Hugo-Heimann-Bibliothek

Kein Zweifel, manche Einsparungen sind sinnvoll. Die Weddinger Hugo-Heimann-Bibliothek in der Swinemünder Straße zog letztes Jahr in das Nachbargebäude um, weil dort die Miete billiger ist. Wenn jedoch an Standorten, Bestand und Personal immer weiter gekürzt wird, könnte das Beispiel Bötzowviertel Schule machen. Bibliotheken wird es dann nur noch dort geben, wo sich Freiwillige für den Betrieb finden. Zugegeben, eine düstere Zukunftsvision. Aber jetzt ist noch Zeit, sie zu verhindern. Zeit, das Angebot wertzuschätzen, indem man es nutzt.

Interimsstandort der Hugo-Heimann-Bibliothek

Nebenan: Interimsstandort der Hugo-Heimann-Bibliothek

Info: www.voebb.de

© Text und Fotos Boris Nowack

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