„Häufig ist es mehr Sozialarbeit als Rechtsberatung“

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Die Rechtsberatung des mob e. V. hilft Bedürftigen in allen sozialen Fragen

Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Schuhe. Das weiß jeder, der schon einmal einen Gerichtssaal von innen gesehen hat. Sozial Schwache sind in juristischen Fragen oft überfordert, da es schnell um ihre Existenz geht. Die Rechtsanwältin Simone Krauskopf steht Bedürftigen im Beratungszimmer des Kaffee Bankrott jeden Montag dabei zur Seite.

Simone Krauskopf

Simone Krauskopf berät montags im "Kaffee Bankrott" des mob e. V.


Der neu gestaltete Beratungsraum erstrahlt in hellem Licht und bietet eine angenehme Atmosphäre für die drängenden Probleme der Klienten von Simone Krauskopf. Die gebürtige Cottbusserin sitzt hinter ihrem Schreibtisch mit Computer, im Regal steht Fachliteratur zu Sozial- und Bürgerrecht. Einmal pro Woche tauscht sie das Büro ihrer Kanzlei im Prenzlauer Berg mit dem im „Kaffee Bankrott“.
Noch vor der Wende hatte sie in den Westen „hinübergeheiratet“ und konnte so in Tübingen Sozialpädagogik auf Diplom studieren. „Die Armut damals fand ich gruselig, das kannte ich aus dem Osten so gar nicht. Dagegen wollte ich etwas unternehmen. Ich wollte die Welt verbessern“, gesteht sie. Parallel dazu studierte sie Jura, nachdem sie gemerkt hatte, dass man mit einem Rechtanwaltsbriefkopf mehr erreichen kann. „Es ging mir nicht darum, reich zu werden, das geht mit Sozialrecht ohnehin nicht“, winkt Simone Krauskopf ab. Das liegt an den festgeschriebenen sozialrechtlichen Betragsrahmengebühren für die Verfahren, die sich, im Unterschied zum Wettbewerbs- und Vertragsrecht etwa nicht nach dem Streitwert richten. Die Gebühren sind relativ niedrig, so dass man sich auch ohne Anwalt selbst vor Gericht verteidigen kann. Allerdings sind viele sozial Schwache dazu nicht in der Lage.

Zum einen sind Bescheide vom Jobcenter, um die es häufig geht, schon für Normalsterbliche oft nur schwer zu verstehen. Außerdem hängt die Wohnung oder gar die Existenz der Betroffenen am seidenen Faden, so dass die Nerven schon blank liegen, wenn sie bei Simone Krauskopf ankommen. „Da erkläre ich ihnen dann den Bescheid und beruhige sie, dass alles in Ordnung ist. Im Grunde mache ich hier Sozialarbeit mit Rechtsberatung“, stellt sie fest. Neben Streitigkeiten mit dem Jobcenter wegen falsch ausgestellter Bescheide, fehlerhafter Anrechnung der Betriebsausgaben bei Selbständigen oder erteilten Sanktionen, bereiten Mieterhöhungen, die letzte Betriebskostenabrechnung oder auch mal ein Strafbefehl wegen kleinerer Delikte die häufigsten Sorgen und Nöte. Dann steht sie mit Rat und auch mit Tat zur Seite. Denn wenn das Jobcenter nicht rechtzeitig Unterlagen zur Verfügung stellt, um etwa eine Räumungsklage im letzten Moment noch abzuwenden, reicht es nicht, den Klienten mit ein paar Tipps und ihrer Visitenkarte loszuschicken. Dann muss sie selbst von A über B nach C rennen, um wenn auch nicht die Welt, dann doch die vorläufige Wohnsituation ihres Mandanten zu retten.

Die meisten kommen aus einer eher bildungsfernen Schicht, weiß sie aus ihrer Berufserfahrung. Das kann an den familiären Umständen liegen aber zuweilen auch an den intellektuellen Fähigkeiten: „Menschen mit einem akademischen Hintergrund sind vergleichsweise kurz im Leistungsbezug. Das heißt freilich nicht, dass die übrigen nicht auch ein Anrecht auf Verteidigung vor Gericht und auf Gerechtigkeit haben.“
Simone Krauskopf beschwert sich nicht, denn das System der Sicherung in Deutschland ist so gut, dass niemand verhungern oder auf der Straße schlafen muss. Den Grundsatz des Forderns in Bezug auf die Hartz-IV-Reformen sieht sie dennoch teilweise als übertrieben an, weil er mitunter zu unwürdigen und verletzenden Umständen bei den Betroffenen führt, Stichwort Datenschutz oder Akzeptanz dieser Menschen seitens der Behörden. Schon allein dafür kann ein Termin bei ihr nützlich sein: das Selbstbewusstsein wieder etwas zu stärken und die Gewissheit erlangen, dass alles gut wird. Mit ihrer Hilfe und etwas Eigeninitiative.
Wer Beratung braucht und staatliche Leistungen bezieht, der sollte darüber zum Termin einen Nachweis mitbringen, damit ein Beratungsschein beantragt werden kann. Jeden Montag von 11 bis 15 Uhr ist Simone Krauskopf dann ganz Ohr.

Die Webseiten des mob e. V.: http://www.strassenfeger.org/
Die Webseiten von Rechtsanwältin Simone Krauskopf: http://www.kiezanwaltberlin.de/

© Text und Fotos: Boris Nowack, bonck.de/blog

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