BVG reagiert auf Gewaltexzesse in U-Bahnen

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Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) reagieren mit einem neuen Angebot auf die zunehmende Anzahl gewaltsamer Übergriffe auf Fahrgäste in U- und S-Bahn. An den Fahrkartenautomaten können ab sofort Zusatzkrankenversicherungen für die Behandlung eventueller Verletzungen gebucht werden, die bei der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Berlin zum Risiko dazugehören. „Eine Erweiterung der Kontrollen durch private Sicherheitsdienste oder die Polizei können wir uns nicht leisten“, heißt es seitens der Pressestelle der BVG, „daher halten wir dieses Angebot für die beste Lösung.“
BVG-Fahrtversicherung

Die Zusatzversicherungen decken Kosten ab, die bei Arztbesuchen regelmäßig entstehen. Wer beispielsweise beim Zahnarzt Plomben aus einem anderen Material als Amalgam möchte, muss dies selbst bezahlen, obwohl die Schädlichkeit von Amalgam im Mund schon lange bekannt ist. Bei einem ausgeschlagenen Zahn ist erst recht mit hohen zusätzlichen Kosten zu rechnen, zumal für gesetzlich Versicherte. Das möchte man laut BVG mit dem bis dato nur in Berlin erhältlichen Angebot vermeiden. „Das Zweiklassen … Verzeihung, Zweikassensystem in Deutschland sorgt ohnehin schon für Ungleichbehandlung von Patienten. Das können wir unseren Fahrgästen nicht zumuten. Schließlich gibt es in Berlin, anders als etwa in Stuttgart, auch keine erste und zweite Klasse mehr in den Zügen“, sagt eine Sprecherin.
Selbst größere Verletzungen wie Knochenbrüche oder innere Verletzungen, für die möglicherweise ein Krankenhaus aufgesucht werden muss, werden abgedeckt. Je nach vorhandenem Versicherungsschutz durch die eigene Kasse kann sich der Fahrgast in Zukunft vor Fahrtantritt für eine passende Versicherung entscheiden. Abhängig davon, wie fit er oder sie sich fühlt, sich gegen etwaige Angreifer zur Wehr zu setzen, bieten sich verschiedene Möglichkeiten: „Wer schon mal einen Selbstverteidigungskursus besucht hat, dem reicht vermutlich die Zahnersatzversicherung. Allen anderen empfehlen wir die Chefarztbehandlung“, rät man bei der BVG.
Auch die Kombination mehrerer Tarife ist möglich. Zahnersatz ist dabei am günstigsten mit 40 Cent pro Fahrt, teurer wird der Wunsch nach einer Chefarztbehandlung oder einem Einzelbettzimmer mit 90 Cent bzw. 1,10 Euro. Als besondere Leistung kann man sich gegen Berufsunfähigkeit absichern, das schlägt allerdings mit satten 1,80 Euro zu Buche. (Für Studenten und Arbeitslose ist dieser Tarif nicht verfügbar.) Die Zusatzversicherungen sind jeweils für eine Fahrt gültig, deshalb sollte man den Fahrschein aufbewahren und dem Arzt vorlegen. Auch die reguläre Versicherung bei einer Krankenkasse ist Voraussetzung für die Wirksamkeit der Bonustarife, warnt die BVG: „Alleine könnten wir das nicht stemmen.“
Bei der BVG ist man stolz über diese Innovation: „Das ist unser Service am Kunden, denn die Unversehrtheit unserer Fahrgäste liegt uns am Herzen.“ Außerdem habe das Unternehmen so endlich den Einstieg in den lukrativen Versicherungsmarkt geschafft, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei vollem Mund. Über eine Ausweitung des Angebots wird derzeit diskutiert. Denkbar wäre zum Beispiel eine Versicherung, die nach Fahrten mit besonders schweren „Nebenwirkungen“, wie es im Fachjargon lautet, Begräbniskosten übernimmt.

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