2022: Das Jahr, in dem wir abschalten

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Der Atomausstieg kommt. Doch es könnte schneller gehen, wenn wir wirklich wollten, sagen Experten

Am 30. Juni beschloss die Bundesregierung den Atomausstieg bis zum Jahr 2022. Zur gleichen Zeit protestierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace vor dem Bundeskanzleramt in einer 24-Stundenaktion für einen Ausstieg 2015. Mithelfen kann dabei jeder durch Energiesparen.
Greenpeace protestiert
Tobias Münchmeyer von Greenpeace betrachtet die Entscheidung der Bundesregierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir sind sehr zufrieden mit der beschlossenen Abschaltung der acht alten Reaktoren. Andererseits geht der Ausstieg viel zu langsam.“ Nach der aktuellen Studie „Plan B“ von Greenpeace ist er schon bis 2015 möglich, der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen um 2040. Bei gleichzeitigem Ausbau der Wind- und Solarenergie sowie Errichtung von Gaskraftwerken, die bis 2050 ebenfalls wieder vom Netz gehen. Dann soll die Versorgung allein durch erneuerbare Energien möglich sein. Am Atomausstieg für 2022 bemängelt Greenpeace das unnötig verlängerte Risiko eines GAUs sowie die Ansammlung von weiterem strahlendem Müll.
Die Energieerzeuger jedoch behaupten, die Versorgung sei so ohne Atomstrom nicht gesichert. RWE-Chef Jürgen Großmann sprach gar von einer „Ökodiktatur“. „Da wird Angst gemacht von interessierter Seite und gewarnt vor Stromausfällen, die nach den Wissenschaftler, mit denen wir zusammenarbeiten, unbegründet ist.“, sagt Münchmeyer. „Natürlich ist es eine Herausforderung. Es muss investiert werden und es müssen auch gesetzgeberische Veränderungen wie das Netzausbaubeschleunigungsgesetz her. Aber angesichts der Gefahren, die wir in Fukushima gesehen haben, ist es richtig, Druck zu machen und den Prozess zu beschleunigen.“ Dieser Druck sei beim Datum 2022 nicht gegeben, was dazu führen wird, dass notwendige Maßnahmen in den nächsten Jahren nicht angegangen werden und wertvolle Zeit verloren geht, befürchtet Münchmeyer.
Greenpeace protestiert Greenpeace protestiert Greenpeace protestiert
Das Besondere am „Plan B“ ist, dass der Ausstieg für 2015 ohne Einbußen und Gefahren für die Wirtschaft stattfinden soll. Wie wichtig jedoch ist dabei die Reduzierung des Energieverbrauchs? Schaffen wir den Ausstieg auch ohne unser Verhalten zu ändern? „Theoretisch ist es zwar möglich, aber dann wird es wahnsinnig teuer. Energie zu sparen heißt jedoch nicht nur, dass jeder darauf achtet, wo er Strom verbraucht, sondern auch beispielsweise Gebäudesanierung. Dann wird durch bessere Isolierung viel weniger geheizt als heute.“, gibt Münchmeyer zu bedenken.

Darauf hat der normale Bürger und Mieter freilich keinen Einfluss. Deshalb ist es sinnvoll, auch bei den scheinbar kleinen Dingen anzufangen. Energiesparen kann Spaß machen, denn schließlich schlägt man auch seinem Anbieter ein Schnippchen.
Stromsparen im Alltag, heißt die Devise und fängt bei Standby-Schaltungen und Geräten an, die sogar in ausgeschaltetem Zustand noch Strom ziehen. Mit einem Messgerät für 10 Euro lassen sich diese Kandidaten ausfindig und mit einer ausschaltbaren Steckdosenleiste unschädlich machen.
Steckerleiste mit Energiemessger
Dabei sollte man auf Qualität achten und nicht zu viele Geräte daran anschließen, sonst kann im besten Fall die Sicherung rausfliegen, im schlimmsten ein Brand entstehen. Leisten mit eigenen Sicherungen für etwa 20 Euro verhindern das. Auch für einzelne Geräte wie etwa die Kaffeemaschine gibt es Zwischenstecker mit Schalter.
Schaltersteckdose zum Energiesparen
Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online hat sich auf Energiespartipps für Privathaushalte spezialisiert und weiß auch, wie man dem zweitgrößten Energiefresser Warmwasser zu Leibe rückt. Sparduschköpfe, die Wasser mit Luft mischen, halbieren die Wassermenge—oder einfach kalt duschen. Und für die Waschmaschine gibt es moderne Kaltwaschmittel, die Wäsche auch ohne heißes Wasser sauber bekommen. Bei der Anschaffung neuer, sparsamerer Geräte kommt es auch auf die Häufigkeit der Benutzung an. Schließlich belasten Produktion und Verschrottung ebenfalls die Umwelt.
Energieverbrauch farblich markiert
Tobias Münchmeyer hält es für sinnvoll, an die Bevölkerung zu appellieren und Tipps zu geben, die Erfolgsaussichten jedoch für bescheiden. „Wahrscheinlich“, so meint der Energieexperte, „muss man bestimmte Standby-Schaltungen schlicht per Gesetz verbieten. Das würde sehr schnell sehr viel Stromverbrauch kappen.“

www.greenpeace.de
www.co2online.de

Text und Fotos © Boris Nowack 2011

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