Träum was Süßes

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Das Unternehmen Sugafari aus Berlin möchte mit einem exklusiven Angebot Kindheitsträume und Erinnerungen wieder wachrufen mit etwas, das wohl alle Kinder dieser Welt verbindet: Süßigkeiten

Alexis Agné von Sugafari

Alexis Agné von Sugafari

Das Wohnzimmer einer ofenbeheizten Altbauwohnung im Prenzlauer Berg. Alexis Agné sitzt an seinem Laptop und fertig die letzten Bestellungen für heute ab. „Das Arbeitszimmer habe ich zum Lager umfunktioniert“, entschuldigt er sich. Auf dem Sofa liegen ein Dutzend Pappschachteln mit dem Schriftzug seines noch jungen Unternehmens Sugafari. „Promopakete“, erklärt Agné, „wichtig für das Marketing.“ Es wird Zeit. Bisher hat er vor allem auf Mundpropaganda und Empfehlung durch Freunde und Kunden gesetzt. Vor ziemlich genau einem Jahr hat der 34-Jährige das Projekt angestoßen, seit letzten Sommer steht die Internetseite und der Verkauf auf dem Mauerparkflohmarkt lief an. Mit Sugafari hat er sich einen kleinen Traum erfüllt: Ein eigener Laden, in dem es die besten Süßigkeiten aus aller Welt geben soll. Denn Agné liebt Süßes und Reisen. Daher auch der Name Sugafari, ein Kompositum aus sugar (engl: Zucker) und Safari. Die Marke hat er sich selbst ausgedacht, wie er auch das meiste Drumherum alleine gestemmt hat. Nach einem Studium der Medienberatung an der Technischen Universität Berlin – „Ein typisches Orchideenfach“, grinst Agné – brachte er sich die technischen, betriebswirtschaftlichen und juristischen Grundlagen durch den Besuch von Veranstaltungen, Gründerseminaren und viel Lektüre bei. Ohne Geld zu gründen, ist anstrengend und braucht viel Zeit. Aber so bleibt das Risiko gering. Agné kauft nur das Nötigste ein, Grafik zum Beispiel, wichtig für Werbung und den Internetauftritt und in Berlin besonders günstig. Jeder Gewinn fließt sofort in den Ausbau des Angebots. Die Einkäufe sind mitunter teuer, weil viele Großhändler nur in größeren Mengen verkaufen. Für die Recherche nach Produkten ist er momentan auf Fans angewiesen, die ihm Vorschläge aus aller Welt schicken. „Seit ich Sugafari gegründet habe, bin ich nicht mehr verreist“, gesteht Agné. Die Auswahl jedoch bleibt ihm überlassen, dabei sind drei Dinge wichtig: Name, Geschmack und Verpackung. Je abgefahrener, desto besser. „Am wichtigsten ist mir die Kombination aus Süßigkeit und Erinnerung, der Bezug zu früher, der sich einstellt, wenn man die Süßigkeit isst oder sieht. Deswegen ist mir auch die ursprüngliche Verpackung wichtig.“, betont Agné.

Süße Traditionen verschwinden dank der Globalisierung

Wenn immer er in ein fremdes Land fuhr, ging er dort in die Supermärkte und schaute sich die Waren und Verpackungen an. Nicht nur Süßes. Jedes Land und jede Kultur hat einen eigenen Stil; so lange es noch nicht überall das gleiche zu kaufen gibt. Agné beobachtet gerade einen besorgniserregenden Trend: In die frisch an die EU oder die Währungsunion angeschlossenen Länder in Osteuropa fallen die Global Player der Nahrungsindustrie wie Nestlé oder Kraftfoods ein, kaufen traditionsreiche Marken und assimilieren deren Angebot in ihr eigenes, indem sie es mit neuem Verpackungsdesign versehen, womöglich den Geschmack „verwestlichen“ oder gar ganz aus dem Angebot streichen. Bald werden die Supermarktregale dort genau so aussehen wie hier, Ausgefallenes verschwindet. Wenn eine Süßigkeit so verändert wurde, ist sie für Sugafari disqualifiziert. Die positiven Rückmeldungen seiner Kunden bestätigen Agné in seinem Wunsch nach etwas mehr Traditionsbewusstsein. Er ist sich sicher, dass er den richtigen Weg geht. Mit mehr Kunden und einem größeren Angebot möchte er einmal von Sugafari leben können. „Das ist kein Unternehmen, das ich mit der Absicht gegründet habe, es zu verkaufen, sobald es läuft“, bekräftigt er. Internetgeschäfte werden gerne schon vorab mit diesem Ziel geschaffen oder man verabschiedet sich zumindest für ein großzügiges Angebot von dem ursprünglichen Konzept. Im Dezember wurde der ehemals exklusive Modeversand Brands 4 Friends für 150 Millionen Euro an eBay verkauft und ist nun gar nicht mehr exklusiv. Alexis Agné steht felsenfest hinter Sugafari und dem Gedanken, mit Süßigkeiten aus aller Welt Erinnerungen wachzurufen und einfach Spaß zu machen. Aber wenn jemand mit soviel Geld winken würde? Er weiß es auch nicht. Man wird ja noch träumen dürfen.

Alexis Agné von Sugafari

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