Augen auf beim Interneteinkauf — Auch auf Kleinanzeigenmärkten

Standard


Onlineläden und Auktionen sind so beliebt bei Betrügern, dass sie von vielen Nutzern schon wieder gemieden werden. Doch auch auf Kleinanzeigenmärkten im Internet versuchen es Gauner mit ihren Tricks. Billigware wird als Marke ausgegeben, Mängel verschwiegen, der Käufer wird zu Vorkasse und Versand statt persönlichem Treffen überredet. Wer Vertrauen schenkt, verschenkt oft auch Geld.

Für den strassenfeger hat Boris Nowack mit Tim Hilpert von eBay Kleinanzeigen gesprochen, einem der größten Anbieter von Kleinanzeigen im Internet und in Berlin Dreilinden ansässig.

Abzocker im Internet

strassenfeger: Im Unterschied zu Shops oder Auktionsplattformen muss man sich für Kleinanzeigen nicht anmelden, das Anbieten und Abfragen kann anonym geschehen. Welche Sicherheiten gibt es für den Nutzer vor Betrug?

Tim Hilpert: Die Betrüger sind weltweit auf fast allen mir bekannten Plattformen aktiv. Bei Onlinekleinanzeigen muss deshalb tatsächlich auch der Nutzer selbst für mehr Sicherheit sorgen. Die Transaktion sollte lokal von Hand zu Hand stattfinden und nicht fernmündlich. Der Käufer kann sich so den Gegenstand vor dem Kauf anschauen, dann dafür oder dagegen entscheiden und den Kaufpreis in bar aushändigen.

sf: Soviel zu dem, was der Nutzer selbst tun muss. Was passiert hinter den Kulissen?

Hilpert: Betrügerische Anzeigen werden durch Mustererkennung bis zu einem bestimmten Grad automatisch aussortiert. Als Zweites können Nutzer verdächtige Anzeigen über ein Formularfeld an unsere Redaktion melden. Die prüft noch einmal nach und nimmt das Angebot im Zweifel von der Seite. Außerdem kommunizieren wir an den Nutzer, wie er sich selbst schützen kann. Wer zum Beispiel eine E-Mail an den Anbieter abschickt, sieht sofort den Hinweis, dass er lokal handeln und kein Geld vorab überweisen soll.

sf: Vorabbezahlung ist inzwischen gang und gäbe. Warum raten Sie bei Kleinanzeigen davon ab?

Hilpert: Ich verstehe, dass Nutzer sich Dinge schicken lassen wollen. Tun Sie das jedoch nur bei Dingen von geringem Wert. Wer sich den Strampler für zehn Euro schicken lässt, weil er nicht durch die ganze Stadt fahren will, geht ein geringes Risiko ein. Bei hochwertigen Dingen raten wir ausdrücklich davon ab, nur auf das Vertrauen zu setzen. Hören Sie dabei auch auf den gesunden Menschenverstand. Einem Unbekannten Hunderte oder gar Tausende Euro zu schicken ohne eine Gegenleistung oder einen Schutzmechanismus wie Käuferschutz oder Feedback, ist ein gefährliches Unterfangen.

sf: Welche Artikel werden denn gerne als Lockangebote genutzt?

Hilpert: Damit es sich für den Betrüger lohnt, sind Artikel ab mehreren hundert Euro gefragt. Wichtig ist aber auch die besondere Motivation, das Produkt haben zu wollen, die beim Nutzer ausgelöst werden soll. Dazu gehören Statussymbole wie teure Mobiltelefone und Computer, große Fernseher, Autos, aber auch seltene Musikinstrumente. Wer sich ein vermeintlich günstiges iPhone sehr wünscht, überweist auch mal zweihundert Euro ins Ausland, obwohl er das ansonsten nie tun würde.

sf: Mit welchen Maschen werden die Nutzer dazu überredet, wann sollten sie misstrauisch sein?

Hilpert: Betrüger wollen den persönlichen Kontakt vermieden und dazu gibt es immer eine Geschichte. Von einem angeblichen Aufenthalt im Ausland bis zur emotionalen Schiene wie „Ich würde mich gerne treffen, aber mein Kind ist gerade ins Krankenhaus gekommen.“ Außerdem werden wenig Spuren hinterlassen, weshalb Telefonnummern oft falsch sind oder ganz fehlen. Drittens bestehen die Betrüger gerne auf Bezahlmethoden, die ungewöhnlich sind, denn ein Bankkonto hinterlässt Spuren. Scheinbare Treuhandservices, die keine sind, werden angeboten, Überweisungsservices wie Western Union oder Moneygram für Auslandsüberweisungen genannt, die keine Sicherheiten für den Absender bieten.

sf: Was kann man tun, wenn man trotz aller Vorsicht hereingelegt wurde?

Hilpert: Teilen Sie uns mit, um welche Anzeige es geht, damit wir sie rausnehmen und in unsere Mustererkennung einpflegen können. Als nächstes sollten Sie bei der Polizei Anzeige erstatten. Wir arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Tipps für einen sichereren Einkauf im Internet

Abmahner, Abofallen und Abzocker verleiden einem den Gang ins Internet. Wer sich jedoch auf dem Laufenden hält und etwas misstrauisch bleibt, kann sicher auf der WWWelle surfen und einkaufen:

  • Blogs und Websites wie inside-megadownloads.blogspot.com, antiabzocknet.blogspot.com, computerbetrug.de, abzocknews.de, aber auch die Seiten der Verbraucherzentralen (verbraucherzentrale.de) berichten täglich über neue Fallen und wie man ihnen ausweicht.
  • Das Impressum einer kommerziellen Website muss über die Verantwortlichen informieren, die Handelsregisternummer und eine ladungsfähige Adresse enthalten. Tut es das nicht oder unzureichend oder ist der Sitz der Firma im Ausland, lieber die Finger weglassen und woanders einkaufen.
  • Niemals Vorkasse leisten, wenn der Onlineshop nicht vertrauenswürdig ist. Wer Kauf auf Rechnung oder eine andere sichere Bezahlmethode nicht zulässt, hat vielleicht etwas zu verbergen.
  • Persönliche Daten und die Bankverbindung nur dann angeben, wenn tatsächlich ein Einkauf getätigt werden soll. Für kostenlose Downloadseiten und Foren darf man auch Fantasienamen benutzen. Auch bei Gewinnspielen hat das Bankkonto nichts verloren.
  • Wegwerfadressen schützen vor Spam und sind ideal, um sich auf Plattformen anzumelden. (www.spamgourmet.com) Sie verfallen automatisch und man ist sicher vor unerwünschter Werbung.
  • Das Web of Trust (WOT) ist ein von Computernutzern auf der ganzen Welt gepflegtes Netzwerk, das vor gefährlichen Seiten warnt. Für gängige Internetbrowser (z. B. Firefox) gibt es ein Plugin.
  • Der Personenkreis der Abmahner ist überschaubar, es tauchen immer dieselben Namen auf. Geben Sie bei Zweifeln über die Rechtmäßigkeit einer Forderung den Namen der Firma oder Person in eine Suchmaschine ein und verbinden die Suche mit Begriffen wie Betrug oder Abzocke. Vielleicht hat ein anderer Nutzer schon etwas zum Thema geschrieben.
  • Bleiben Sie ruhig bei Drohungen und Inkassoschreiben. Wenn die Forderungen unberechtigt sind, denken Sie einfach an das Kalletaler Dreieck. (kalletaler-dreieck.de) Erst ein gelber Brief vom Amtsgericht muss beantwortet werden.
  • Sichern Sie Beweise in Form von E-Mail-Ausdrucken und Bildschirmfotos. (Tastenkombination Shift-Apfel-3 beim Mac und Taste DRUCK unter Windows.)
WOT-Plugin in Aktion

WOT-Plugin in Aktion

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s