Haufenweise Hundehaufen — Einem dringenden Bedürfnis Herrchen werden

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Es ist braun und stinkt. Wie bitte? Neonazis? Diesmal nicht, aber es geht auch um Scheiße. Berlin ist voll davon. Genauer: Berlins Straßen und Plätze.

Etwas über 100.000 Hunde sind in Berlin angemeldet, die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher liegen. Auch bei Hunden mit hellem Fell. Diese Meute hinterlässt jede Woche einen ganzen Haufen Dreck. Tonnenweise. Wirklich! Zwischen 36 und 60 Tonnen, heißt es beim Bezirksamt Mitte. In Grünanlagen ist das besonders ärgerlich, denn im Gras kann man den Haufen schlechter ausweichen. Derartiges Verschmutzen ist eine Ordnungswidrigkeit, darüber werden die Besitzer mit einem Infoblatt der Ämter auch aufgeklärt. Allerdings fehlt es an Personal für Kontrollen, die zu Strafen führen würden, und letztlich ist auch die Beweisführung schwierig. Man muss den Hund schon auf frischer Tat ertappen.

Tuetenspender Berlin

Tütenspender in Berlin

In dem Infoblatt der Ämter stehen weitere nützliche Selbstverständlichkeiten, wie zum Beispiel, dass Hundekot nicht nur eklig, sondern auch gesundheitsgefährdend ist und Würmer und Salmonellen überträgt. Auch auf die üblichen Ausreden der Hundehalter geht die Info ein: Dass Kot an Bäumen eben kein Dünger sei, sondern den Pflanzen schadet, und dass die Hundesteuer nicht erhoben wird, um damit die Straßenreinigung zu bezahlen. Offenbar ein weitverbreiteter Irrglaube. Es ist vielmehr eine Luxussteuer, die nicht zweckgebunden ist und für Sinnvolleres ausgegeben werden könnte. Einen Teil der Haufen räumt nämlich die Berliner Stadtreinigung (BSR) weg, doch ihr „Kackamobil“ – ein fahrbarer Staubsauger gewissermaßen – kommt nicht in jede Ecke und auf jeden Gehweg.

Wie dem Problem also Herrchen werden? Zum einen ist mehr Eigeninitiative der Besitzer gefordert, die beim Gassigehen immer Tüten dabei haben sollten und – wenn es denn passiert – den Haufen einsammeln und wegwerfen. Die Tüten gibt es in der Tierhandlung oder bei Gassibeutel.de zu kaufen, aber es müssen nicht einmal besondere Hundehaufentüten sein.

Tuetenspender Michelstadt

Tütenspender in Michelstadt

Seit einigen Jahren haben sich die blauen Beutelspender von Stadt & Hund bewährt. Angestoßen wurde das Projekt 2003 von Ingenieuren und Hundebesitzern, die gerne etwas gegen den Dreck unternehmen wollten, aber selbst keine Angebote seitens der Stadt sahen; im Gegensatz zu anderen Städten wie Wien („Sackerl für’s Gackerl“) oder Stuttgart (Bravo).

Tuetenspender Stuttgart

Tütenspender in Stuttgart

Inzwischen gibt es in Berlin um die 200 Spender in vorher sondierten Gebieten. Wie viele (angemeldete) Hunde gibt es in einem Gebiet – etwa einer Wohnanlage –, sind bereits Alternativen zur Entsorgung vorhanden, ist die Finanzierung gesichert; das sind Fragen, die vor dem Platzieren der Spender geklärt werden müssen. Teuer seien die Spender nicht, heißt es seitens Stadt & Hund, nur die Planung nehme Zeit in Anspruch, die weitgehend ehrenamtlich erledigt und teils durch Spenden finanziert wird. Trotzdem müssen die Tütenspender, wenn einmal aufgestellt, regelmäßig befüllt werden, was ein gesichertes Budget für mindestens ein Jahr erfordert. Auftraggeber sind, laut Stadt & Hund, vor allem Wohnbaugesellschaften, Bezirksämter, Gewerbetreibende, aber auch Privatpersonen, die ihren Kiez sauberhalten möchten. Weil das Projekt bei Gassigängern sehr gut ankommt, wird zum Oktober 2010 der Webauftritt überarbeitet mit übersichtlicher Angabe der Spenderstandorte und weiteren Informationen. Denn es gibt noch Unklarheiten seitens der Hundebesitzer: Ist der volle Hundebeutel Sondermüll? Nein, sagt Stadt & Hund, der kann in den ganz normalen BSR-Mülleimer am Straßenrand. Wow!
BSR Berlin
Es gibt also keine Ausreden mehr, haut wech die Scheiße!

www.stadtundhund.de
www.gassibeutel.de

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